Es ist eine Szene, bei der viele Katzenbesitzer peinlich berührt weggucken oder laut „Igitt!“ rufen: Da liegen die beiden geliebten Samtpfoten friedlich beim gemeinsamen Putzen auf dem Sofa, und plötzlich fängt die eine an, der anderen intensiv das Hinterteil zu schlecken. Was für uns Menschen nach einem absoluten Hygiene-Albtraum klingt, sorgt in der Katzenwelt für keinerlei Schamgefühle.
Aber warum machen die Reinlichkeitsfetischisten das eigentlich? Ist das Verhalten einfach nur eine etwas skurrile Marotte, ein Liebesbeweis oder steckt womöglich ein medizinisches Problem dahinter?
Die gute Nachricht vorweg: Für unsere Samtpfoten ist das gegenseitige Putzen der Analregion völlig normal und ein fester Bestandteil ihres Sozialverhaltens. Warum das so ist und wann du trotzdem genauer hinschauen solltest, erfährst du in diesem Artikel.
Katze leckt anderer Katze am Po: Kurz erklärt
Dass eine Katze einer anderen Katze am Po leckt, ist in den allermeisten Fällen völlig normal und kein Grund zur Sorge. Es erfüllt in der Katzenkommunikation drei wichtige Funktionen:
- Soziale Bindung: Das sogenannte „Allogrooming“ (gegenseitiges Putzen) stärkt den Gruppengeruch und festigt die Freundschaft zwischen den Tieren.
- Geruchskommunikation: Am Analbereich sitzen wichtige Duftdrüsen. Das Belecken dient dem Austausch von Informationen über Gesundheit, Status und Stimmung.
- Hygiene-Hilfe: An Stellen, die die Katze selbst nur schwer erreicht, lässt sie sich gerne von vertrauten Artgenossen helfen.
Das Riech- und Putzritual: Warum die Analregion so wichtig ist
Um zu verstehen, warum Katzen sich ohne Zögern dem Hinterteil eines Artgenossen widmen, müssen wir einen Blick auf ihre Nase und ihre Anatomie werfen. Für uns Menschen mag die Vorstellung gewöhnungsbedürftig sein, doch für Katzen ist die Analregion das absolute Informationszentrum des Körpers.
Links und rechts des Afters befinden sich die sogenannten Analdrüsen. Diese Drüsen sondern ein Sekret ab, das für jede Katze einen völlig einzigartigen, individuellen Geruch besitzt – quasi eine chemische Visitenkarte. Schnuppert oder leckt eine Katze am Po des Partners, liest sie wichtige Daten aus: Wie geht es dem Gegenüber? Ist er gestresst? Was hat er gefressen? Welchen Rang hat er in der Gruppe?
Übrigens wird dieser Impuls den Samtpfoten bereits in die Wiege gelegt: Mutterkatzen lecken die Analregion ihrer neugeborenen Kitten intensiv, um deren Verdauung überhaupt erst anzuregen und das Nest sauber zu halten. Was als überlebenswichtiger Instinkt in den ersten Lebenswochen beginnt, bleibt im Erwachsenenalter als tief verwurzeltes, soziales Bindeglied unter befreundeten Katzen bestehen.
Zusätzlich ist das gegenseitige Putzen (in der Verhaltensforschung Allogrooming genannt) ein enormer Vertrauensbeweis. Da der Bereich rund um den Po zu den verletzlichsten Zonen einer Katze gehört, dreht sie einem Artgenossen nur dann das Hinterteil zu, wenn sie sich absolut sicher und geborgen fühlt. Das Lecken an dieser Stelle schließt den gemeinsamen Gruppengeruch ab und signalisiert: „Wir gehören zusammen und wir vertrauen uns blind.“
Wann das Po-Lecken zum Warnsignal wird: Medizinische Ursachen
Obwohl das gegenseitige Putzen am Hinterteil ein gesundes Sozialverhalten ist, gibt es eine wichtige Grenze. Wenn eine Katze die Analregion des Partners plötzlich auffallend häufig, sehr hektisch oder stundenlang belagert, geht es meist nicht mehr um reine Freundschaft.
Häufig reagieren Katzen damit auf ein medizinisches Problem ihres Artgenossen. Unsere Samtpfoten spüren nämlich ganz genau, wenn es dem Partner unwohl ist. Wenn das Po-Lecken überhandnimmt, solltest du die betroffene Katze auf folgende Ursachen untersuchen lassen:
- Verstopfte oder entzündete Analdrüsen: Wenn die kleinen Duftdrüsen am After nicht richtig entleert werden, schwellen sie an, jucken und schmerzen höllisch. Die Katze versucht sich dann oft selbst durch das sogenannte „Schlittenfahren“ (Rutschen auf dem Po) Linderung zu verschaffen, oder bittet den Kumpel um Hilfe, der die Stelle intensiv beleckt.
- Wurmbefall und Parasiten: Ein starker Befall mit Bandwürmern oder Spulwürmern verursacht einen extremen Juckreiz am After. Da Katzen zäh sind und Schmerzen oft verbergen – weshalb man ihnen scherzhaft 7 Leben nachsagt –, ist das intensive Putzenlassen durch den Partner manchmal das erste sichtbare Warnsignal für den Halter.
- Verdauungsprobleme: Bei Durchfall oder Verstopfung bleibt das Fell in der Analregion oft verschmutzt. Da Katzen extrem reinliche Tiere sind, hilft der Partner fleißig bei der Intimpflege.
- Harnwegsinfektionen oder Blasensteine: Sitzt das Problem im Urogenitaltrakt, riecht der Urin oft verändert oder die Region schmerzt. Wie komplex die Anatomie im unteren Bauchbereich der Katze aufgebaut ist, kannst du übrigens auch in unserem Artikel Haben Katzen einen Bauchnabel? nachlesen.
Beobachtest du also, dass diese Intimpflege auffallend unruhig abläuft, eine Katze den Partner regelrecht bedrängt oder das geputzte Tier dabei faucht, solltest du einen Termin beim Tierarzt vereinbaren.
Fazit: Ein ekliger Anblick mit den besten Absichten
Auch wenn uns beim Anblick von Katzenzungen an Katzenpos im ersten Moment die Haare zu Berge stehen: Für deine Samtpfoten ist dieses Verhalten das absolute Gegenteil von eklig. Es ist gelebte Zuneigung, wichtige Kommunikation und gründliche Körperpflege in einem.
Solange beide Katzen entspannt wirken, sich danach friedlich zusammenkuscheln und keine Anzeichen von Schmerzen oder Dauerjuckreiz zeigen, darfst du das Ganze also getrost ignorieren. Es ist schlichtweg ein Liebesbeweis der etwas spezielleren, aber urtypischen Katzenart.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist es schlimm, wenn Katzen sich gegenseitig am Po lecken?
Nein, im Gegenteil. Für Katzen ist dieses Verhalten völlig normal, absolut unbedenklich und ein Zeichen von großem Vertrauen sowie sozialer Bindung innerhalb der Katzengruppe.
Warum riechen und lecken Katzen am Hinterteil anderer Katzen?
Am After sitzen die Analdrüsen, die einen individuellen Geruch absondern. Durch das Riechen und Lecken tauschen Katzen wichtige Informationen über den Gesundheitszustand, die Stimmung und den hormonellen Status des Artgenossen aus – es ist wie das Lesen einer chemischen Visitenkarte.
Darf ich meine Katze davon abhalten, eine andere Katze am Po zu putzen?
Solange beide Tiere entspannt sind, solltest du nicht eingreifen. Das gegenseitige Putzen (Allogrooming) festigt die soziale Struktur und den Gruppengeruch. Ein ständiges Dazwischengehen könnte die Beziehung der Katzen untereinander stören.
Wann ist das Po-Lecken unter Katzen nicht mehr normal?
Wenn das Lecken zwanghaft, stundenlang oder sehr hektisch wird, die geputzte Katze dabei Schmerzen zeigt (Fauchen, Knurren) oder gleichzeitig auf dem Boden rutscht („Schlittenfahren“), stecken meist Parasiten, Würmer oder entzündete Analdrüsen dahinter. Dann ist ein Tierarztbesuch ratsam.
Putzen sich nur Katzen, die sich gut verstehen, am Po?
Ja. Da die Analregion zu den empfindlichsten Bereichen des Körpers gehört, lässt eine Katze dort nur Artgenossen heran, denen sie vollkommen vertraut. Es ist ein eindeutiger Beweis für eine intakte Katzenfreundschaft.








